Kapitel 07

Den eigenen Webauftritt planen

Eine gute Website beginnt nicht mit dem Design, sondern mit Zielen, Inhalten und einer klaren Struktur. So planen Sie Ihren Auftritt, wählen das passende System und briefen Dienstleister.

Hände tippen auf einem aufgeklappten Laptop, der auf einem Holztisch steht

Viele Websites kleiner Betriebe entstehen unter Zeitdruck: Ein Bekannter baut schnell etwas zusammen, eine Vorlage wird mit Platzhaltertexten gefüllt, und nach dem Start fasst niemand die Seite mehr an. Das Ergebnis sieht oft ordentlich aus, bringt aber keine Anfragen. Mit etwas Planung vorab wird aus der Website ein Werkzeug, das über Jahre arbeitet. Dieses Kapitel führt durch die Planung, von den Zielen bis zur Wahl des Systems.

Schritt 1: Ziel und Zielgruppe klären

Fragen Sie sich zuerst, was die Website leisten soll. Typische Ziele kleiner Betriebe sind Anrufe und Anfragen, Terminbuchungen, Bewerbungen, Laufkundschaft im Laden oder schlicht Vertrauen, wenn jemand nach einer Empfehlung Ihren Namen sucht. Je klarer das Ziel, desto leichter fallen alle weiteren Entscheidungen.

Beschreiben Sie dann Ihre wichtigsten Kundengruppen in wenigen Sätzen: Was suchen sie, welche Fragen haben sie, und auf welchem Gerät sind sie unterwegs? Bei lokalen Betrieben ist das häufig das Smartphone, unterwegs und zwischendurch. Daraus folgt, dass die Website zuerst für kleine Bildschirme gedacht werden sollte.

Schritt 2: Seitenstruktur skizzieren

Notieren Sie die Seiten, die Sie brauchen, als einfache Liste oder Baumstruktur. Für die meisten Betriebe reicht ein überschaubarer Aufbau:

  • Startseite: in einem Satz, was Sie anbieten, für wen und wo, dazu der wichtigste Kontaktweg
  • Leistungen: am besten eine eigene Seite pro Leistung, weil Menschen gezielt danach suchen
  • Über uns: Betrieb, Team, Arbeitsweise, echte Fotos
  • Kontakt: Telefon, E-Mail, Formular, Adresse mit Anfahrt und Öffnungszeiten
  • Impressum und Datenschutzerklärung

Eine klare Navigation mit wenigen, verständlichen Menüpunkten ist wichtiger als ausgefallene Effekte. Besucher sollten jede Seite mit höchstens zwei Klicks erreichen.

Schritt 3: Inhalte vorbereiten

Inhalte sind der häufigste Grund, warum Website-Projekte stocken. Sammeln Sie Texte, Fotos, Logo-Dateien und Angaben wie Öffnungszeiten, bevor die Gestaltung beginnt. Schreiben Sie so, wie Ihre Kunden sprechen, kurz und konkret: lieber „Wir reparieren Fenster und Türen in Mannheim und Umgebung“ als „Ihr kompetenter Partner rund ums Bauelement“.

Eigene Fotos von Team, Werkstatt oder Praxis wirken glaubwürdiger als Stockbilder. Achten Sie bei allen Bildern auf die Nutzungsrechte und darauf, dass sie für das Web verkleinert und komprimiert werden. Große Bilddateien sind ein Hauptgrund für langsame Seiten.

Checkliste: Inhalte vor dem Start

  • Logo als SVG und PNG, Farbwerte und Schrift aus dem Corporate Design
  • Text für jede Seite, mindestens als Stichpunkte
  • Eigene Fotos mit geklärten Rechten, Personen mit Einverständnis
  • Kontaktdaten, Öffnungszeiten, Einzugsgebiet
  • Angaben für Impressum und Datenschutzerklärung
  • Zugänge zu Domain und E-Mail beim eigenen Konto, nicht beim Dienstleister

Schritt 4: Baukasten oder Content-Management-System

Für die Umsetzung gibt es grob drei Wege. Website-Baukästen bieten fertige Vorlagen, Hosting und Bearbeitung aus einer Hand; sie sind schnell eingerichtet, aber an den Anbieter gebunden. Ein Content-Management-System (CMS) wie WordPress ist quelloffen, sehr verbreitet und flexibel erweiterbar, braucht aber eigenes Hosting, regelmäßige Updates und etwas Einarbeitung. Eine individuelle Entwicklung lohnt sich, wenn besondere Funktionen gefragt sind oder höchste Ladegeschwindigkeit wichtig ist.

Vergleich: Baukasten und CMS

Baukasten

Schneller Start ohne Technikwissen, Wartung durch den Anbieter, monatliche Kosten. Gestaltung und Funktionen sind durch die Vorlagen begrenzt, ein späterer Umzug ist meist aufwendig.

CMS wie WordPress

Große Auswahl an Themes und Erweiterungen, frei wählbares Hosting, Inhalte lassen sich mitnehmen. Dafür sind Updates, Sicherungen und Sicherheit Ihre Aufgabe oder die eines Dienstleisters.

Schritt 5: Anforderungen schriftlich festhalten

Wenn Sie eine Agentur oder einen Freiberufler beauftragen, schreiben Sie Ihre Anforderungen auf. Klassisch heißt das Dokument des Auftraggebers Lastenheft; das Pflichtenheft beschreibt, wie der Auftragnehmer es umsetzt. Hinein gehören Ziele, Zielgruppen, Seitenliste, gewünschte Funktionen wie Formular oder Terminbuchung, vorhandene Inhalte, Zuständigkeiten, Termine und die Frage, wer die Seite nach dem Start pflegt. Halten Sie außerdem fest, dass Domain, Hosting-Zugang und alle Dateien Ihnen gehören.

Schritt 6: Gestaltung, die verkauft

Erst jetzt kommt das Design. Ein ansprechendes Webdesign folgt dem Erscheinungsbild des Betriebs: dieselben Farben, Schriften und dasselbe Logo wie auf Briefbogen und Fahrzeug. Darüber hinaus gelten einige Grundsätze:

  • Mobil zuerst: Die Seite muss auf dem Smartphone ohne Zoomen lesbar und bedienbar sein. Man spricht von responsivem Design.
  • Klarer Fokus: Jede Seite hat eine Hauptaussage und einen nächsten Schritt, etwa Anrufen oder Anfragen.
  • Lesbare Typografie: ausreichend große Schrift, genug Zeilenabstand, guter Kontrast zwischen Text und Hintergrund.
  • Schnelle Ladezeit: optimierte Bilder, wenige externe Skripte, schlanke Schriftdateien.
  • Barrierearm: Bilder mit Alternativtext, Bedienung per Tastatur, verständliche Linktexte. Was das Gesetz verlangt, erklärt das Kapitel Barrierefreie Website.

Rechtliche Pflichten vor dem Start

Jede geschäftsmäßige Website braucht ein Impressum nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz und eine Datenschutzerklärung nach der Datenschutz-Grundverordnung. Werden Cookies oder Dienste wie Karten, Videos oder Analysewerkzeuge eingebunden, kann zusätzlich eine Einwilligung der Besucher nötig sein. Prüfen Sie auch, ob Ihr Angebot unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz fällt. Muster und Generatoren helfen beim Einstieg, ersetzen im Zweifel aber keine Rechtsberatung.

Nach dem Start

Eine Website ist nie ganz fertig. Planen Sie feste Termine, um Öffnungszeiten, Preise und Fotos zu prüfen, Updates einzuspielen und neue Inhalte zu ergänzen. Wie Sie messen, ob die Seite gefunden wird, und wie Sie Ihre Sichtbarkeit in Google verbessern, erklärt das Kapitel Online gefunden werden.

Wie das Kapitel weitergeht

Die Artikel in diesem Kapitel vertiefen das Pflichtenheft mit Aufbau und Muster und vergleichen Website-Baukästen und Content-Management-Systeme mit ihren Vor- und Nachteilen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Seiten braucht die Website eines kleinen Betriebs?
Eine Startseite mit klarer Aussage, was Sie anbieten und wo, eine Seite pro wichtiger Leistung, eine Seite über Betrieb und Team, eine Kontaktseite mit Anfahrt und Öffnungszeiten sowie Impressum und Datenschutzerklärung. Referenzen, Fragen und Antworten oder ein Blog können später dazukommen.
Baukasten oder WordPress: was ist besser?
Ein Baukasten eignet sich, wenn Sie schnell und ohne Technikkenntnisse starten wollen und mit den Vorlagen auskommen. Ein Content-Management-System wie WordPress ist flexibler und lässt sich zu einem anderen Hoster mitnehmen, braucht aber regelmäßige Updates und Pflege. Entscheidend sind Ihre Ziele, Ihr Budget und wer die Seite künftig betreut.
Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?
Im Lastenheft beschreibt der Auftraggeber, was die Website leisten soll. Im Pflichtenheft beschreibt der Auftragnehmer, wie er diese Anforderungen umsetzt. Im Alltag wird beides oft Pflichtenheft genannt. Wichtig ist, dass Ziele, Seiten, Funktionen, Zuständigkeiten und Termine schriftlich festgehalten sind.
Muss jede Website ein Impressum haben?
Geschäftsmäßige Websites, also praktisch alle Websites von Betrieben und Selbstständigen, brauchen nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz ein leicht erkennbares, unmittelbar erreichbares und ständig verfügbares Impressum. Dazu kommt eine Datenschutzerklärung, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden, was technisch fast immer der Fall ist.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Werbe-Wissen. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.